
User Centred Design - Nutzer im Mittelpunkt der Produktentwicklung
Moderne Informations- und Kommunikations-Technologien haben inzwischen alle unsere Lebensbereiche erreicht. Bei der Arbeit, unterwegs, daheim, überall werden wir mit Produkten konfrontiert, die wir verstehen und bedienen müssen – interaktive Produkte, die all zu oft nicht so funktionieren, wie wir uns das vorstellen oder so gestaltet sind, dass wir sie nur schwer bedienen können.
Zunehmend setzt sich allerdings die Erkenntnis durch, dass innovative Geräte und Funktionen zwar hilfreich und sinnvoll sind, der Gebrauch dagegen oft Probleme aufwirft. Die kritische Frage ist also nicht mehr die technische Machbarkeit. Es geht vielmehr um eine den Anforderungen der Nutzer angemessene Funktionalität und einen entsprechenden Zugang zu den angebotenen Informationen und Diensten. Oft genug sind einzelne Funktionen, die von Anwendern gewünscht werden, nicht vorhanden, oder aber es werden zu viele Funktionen angeboten, die nicht genutzt werden. Dies gilt beispielsweise für die Benutzung eines Videorecorders genauso wie für das Mobiltelefon oder auch für standardisierte Arbeitswerkzeuge wie Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationssoftware oder Datenbankanwendungen. Probleme entstehen immer wieder, weil die Anforderungen der Benutzer nicht in den Entwicklungsprozess einbezogen wurden. Vielfach existieren bei den Entwicklern keine klaren Vorstellungen über die zukünftigen Nutzer. Daher ist es auch nicht gewährleistet, dass das zu entwickelnde Produkt an die Erwartungen und Bedürfnisse der Nutzer angepasst ist. „Es wird in Zukunft immer wichtiger, schon bei der Entwicklung eines Produktes Nutzer mit einzubeziehen. Es werden sich jene Produkte am Markt durchsetzen, die einen klaren Mehrwert für die Nutzer haben, deren Bedienung leicht zu erlernen ist und deren Nutzung Freude bereitet“, erläutert Natalie Woletz, Teamleiterin bei der Customer Experience-Beratung SirValUse, die Bedeutung von nutzerzentrierter Entwicklung.
User Centred Design
Das User Centred Design (UCD) zielt darauf ab, interaktive Produkte so zu gestalten, dass sie den Anforderungen und Bedürfnissen der Nutzer entsprechen und über eine hohe Usability verfügen. Dies wird im Wesentlichen durch die frühe Einbeziehung der Nutzer erreicht. Die Aufgaben, Ziele und Eigenschaften der zukünftigen Nutzer werden in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses gestellt. So kann sichergestellt werden, dass organisatorische, technische und aufgabenspezifische Erfordernisse bei der Entwicklung eines interaktiven Produktes ausreichend berücksichtigt werden und das spätere Produkt die Nutzer optimal in ihrer Aufgabenbewältigung unterstützt.
Der UCD-Prozess
Ein User Centred Design–Prozess beschreibt ein iteratives Vorgehen, das mehrere Phasen durchläuft, in denen jeweils unterschiedliche Methoden und Techniken angewendet werden. User Centred Design-Methoden lassen sich sowohl bei der Entwicklung eines neuen Produktes einsetzen als auch bei der Weiterentwicklung eines bestehenden Produktes. In beiden Fällen dienen UCD-Methoden dazu, Nutzer-Anforderungen zu erheben und in beispielsweise Wireframes und Storyboards zu visualisieren. Anhand eines Prototypen werden die Entwürfe Nutzern vorgestellt und getestet. Der Prototyp kann als Spezifikation genutzt werden oder gleich zum fertigen Produkt weiterentwickelt werden. Der UCD-Prozess wird von Natalie Woletz in drei grundlegende Aktivitäten eingeteilt: Anforderungsdefinition, Konzeption & Gestaltung und Evaluation. Diese drei Aktivitäten werden iterativ durchgeführt. Im Laufe eines Entwicklungsprozesses werden dadurch die Anforderungen, Konzepte und Entwürfe immer weiter ausgearbeitet, bis am Ende das Produkt vollständig definiert ist. „Durch das iterative Arbeiten kann sichergestellt werden, dass man den Nutzer nicht aus den Augen verliert“, so Woletz. „Der „Anforderung-Entwurf-Bewertungs- Zyklus“ hilft, Fehlentwicklungen zu vermeiden und ein Produkt zu entwickeln, das den Nutzern gerecht wird.“
Begonnen wird der UCD-Prozess mit der Kontextanalyse (1 in der Spiral-Modell-Abbildung), in der die Nutzer und ihre Aufgaben und Bedürfnisse generell betrachtet werden. Anhand von Personas werden diese aufgeschrieben. Basierend auf den Personas und den generellen Anforderungen wird ein erstes User Interface-Konzept für das zu entwickelnde Produkt erstellt. In Form von Wireframes oder Storyboards wird das Konzept zunächst mit Nutzern auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft (formativ evaluiert).
Die zweite Iteration (2 in der Spiral-Modell-Abbildung) beginnt mit der detaillierten Betrachtung der Aufgaben und Ziele der Nutzer, der Arbeitsabläufe und der Umgebung, in der das Produkt genutzt werden wird. Typische Abläufe werden in Form von Nutzungsszenarien beschrieben. „Oftmals wird bei der Produktentwicklung zu wenig daran gedacht, wie, wann und warum Menschen ein interaktives Produkt nutzen. Wenn ich beispielsweise mit einem Handy ein Foto mache, um es an Freunde zu verschicken, dann muss ich das Foto erst mal speichern und kann es anschließend erst an eine MMS anhängen. Dass das nutzerorientierter geht, hat Apple mit dem iPhone gezeigt“, beschreibt die UCD-Expertin Natalie Woletz ein Beispiel für ein typisches Nutzungsszenario. Die Nutzungsszenarien dienen als Grundlage für die Weiterentwicklung der User Interface-Konzepte. So wird beispielsweise die Navigationsstruktur festgelegt und die Informationsarchitektur entwickelt und in Prototypen umgesetzt. Anschließend wird mit Nutzern getestet, ob die entwickelten Lösungen ihre Anforderungen erfüllen. Die Methode des Rapid Prototyping ermöglicht es, Änderungen schnell vorzunehmen und diese erneut zu testen.
Je nach Komplexität des Produktes können die zweite und dritte Iteration auch zu einer Iteration zusammengefasst werden. In der letzten Iteration (4 in der Spiral-Modell-Abbildung) werden alle Details der Benutzeroberfläche wie zum Beispiel Icons, Menütitel, Drop-Down-Listen, Hilfetexte etc., definiert und ausgestaltet. Nach der abschließenden Bewertung ist die Benutzeroberfläche vollständig definiert und kann umgesetzt werden.
Ergebnisse und Ziele des User Experience-Design-Prozesses
Mit Hilfe des UCD-Prozesses ist es möglich, Produkte zu entwickeln, die die Anforderungen und Erwartungen der Nutzer erfüllen. Dies wird erreicht durch eine detaillierte Betrachtung der Nutzer und ihrer Aufgaben. Die UCD-Methoden Persona, Nutzungsszenarien und Rapid-Prototyping stellen die zukünftigen Nutzer in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses. Mit Hilfe des User Centred Design können Produkte hergestellt werden, die dem Anwender eine optimale User Experience verschaffen und über eine hohe Usability verfügen – und dann von den Kunden mit Freude genutzt werden und anderen Produkten vorgezogen werden.
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